Man kann mit JinView möglichst viele Kategorien eines Konkurrenten beobachten. Allerdings gibt es auch Websites, die zu einem Einblick auf Marktaktivitäten von mehreren Mitwerbern verhelfen. Ein Beispiel ist die einschlägige Stellensuche.

Wenn etwa der hartnäckige Gegner an der Baumarktfront plötzlich Verkaufsstrategen sucht, sollte man gewarnt sein. Eine kostenintensive Offensive basiert häufig auf grundlegenden Überlegungen oder überraschenden Ideen. Anders ausgedrückt: Hier tut sich was beim Konkurrenten, das vielleicht auf einer neuen Unternehmensstrategie basiert. Indirekt verschafft JinView auf diesem Wege eine Unternehmensberatung.

Vielleicht zeigt die von JinView erfasste Stellensuche aber auch, dass der Mitbewerber bei der Belieferung von Heimwerkern auf Fachkräfte setzt.

  • Möglicherweise soll der Malergeselle in der Farbenabteilung den Kunden besser beraten können als nur durch das Vorlesen von Anleitungen auf den Farbdosen.
  • Möglicherweise kommt ein erfahrener Tischler in die Holzabteilung und hilft nicht nur beim Zuschnitt der Bretter, sondern auch beim Zuschnitt der geplanten Küche.
  • Und der Pappaufsteller am Regal für Autoersatzteile ist plötzlich eine lebende Person und kennt Autos nicht nur vom Namen her.

Derartige Veränderungen sind nicht selten Folge einer Unternehmensberatung. JinView gibt also ggf. auch Aufschluss über deren Empfehlungen.

Masse statt Klasse

Die Beobachtungen des Stellenmarktes und die Erfassung von Veränderungsbemühungen seitens eines Mitbewerbers sind natürlich nicht automatisch mit Fachpersonal verbunden. Die kurzfristige Suche im Niedriglohnsektor deutet häufig auf saisonale Aktionen oder den Aufbau neuer Abteilungen hin. Dann muss man sich nicht wundern, wenn der Konkurrent plötzlich eine große Abteilung für Gartenteiche und Zubehör führt. Oder, wenn die Winterdekoration auf einem Mal nicht mehr nur eine Randerscheinung ist.

Dann könnte die Suche nach Minijobbern eine kurzzeitige Angelegenheit werden, bei der es darum geht, die jeweilige Abteilung aufzubauen.

Ausschreibungen beobachten

Die Zeiten, in denen Ausschreibungen für Bauvorhaben usw. fast ausschließlich seitens öffentlicher Träger in den Amtlichen Bekanntmachungen erschienen, sind längst vorbei. Die “öffentliche Hand” folgt dabei gesetzlichen Bestimmungen. Private Unternehmen nutzen diese Möglichkeit allerdings ebenfalls immer häufiger, da sie auf diesem Wege Angebote sondieren können.

Insbesondere, wenn das “Jagdgebiet” von mehreren oder sogar vielen Mitbewerbern frequentiert wird, kann es wichtig sein, frühzeitig von Ausschreibungen und damit von Bauvorhaben, Installationsplänen usw. Wind zu bekommen. Es ist gut zu wissen, wenn Mitstreiter am-, um- oder gar neubauen.

Entscheidend ist das Timing

In manchen Regionen kocht die Gerüchteküche auch heute noch laut und deutlich, sodass kaum ein Gedanke lange verheimlicht werden kann. Man kennt das aus der Automobilbranche. Es fällt den Herstellern zunehmend schwerer, die Konkurrenz mit Neuheiten zu überraschen.

Das war noch in den 1970er und 1980er Jahren deutlich einfacher. Das zeigt das Beispiel des BMW V12 Motors. Ende der 1960er brachte Jaguar, die weltweit erste und einzige V12-Limousine nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Markt. Bei den Deutschen Herstellern ging prompt das Zucken los. BMW hatte 1977 erstmalig angefangen, nach den “Sternen” zu greifen. Die 7er Reihe mühte sich, der unangefochtenen Konkurrenz von Mercedes eine Alternative zur Seite zu stellen. Aber gerade bei den Motoren, der Kerndisziplin der Münchener, musste man sich mit 6 Zylindern begnügen, während die Stuttgarter V8 von 3,5 l bis 6,8 l Hubraum anboten. BMW entwickelte und entwickelte und ließ Nebelkerzen zünden. Da war der BMW 745i, der mit Turboaufladung an die Leistung der Konkurrenz heranreichte. Von einer souveränen Motorvorstellung in der Luxusklasse war man aber noch weit entfernt. Währenddessen berichteten die einschlägigen Fachzeitungen von den offensichtlich erfolglosen Bemühungen bei BMW, aus zwei 6-Zylindern einen V12 zu basteln oder den alten V8 aus dem Barockengel aufleben zu lassen. BMW äußerte vor dem Hintergrund der Ölkrise Mitte der 1970er Jahre “vernünftige” Gründe dafür, die bis zur Serienreife entwickelten V8- und V12-Motoren nicht zu verwenden.

Geheimhaltung war notwendig und wurde sehr konsequent betrieben. Ein wesentlicher Aspekt war dabei die enorm schnelle Entwicklungsarbeit, bei der die beteiligten Abteilungen nicht wie üblich nacheinander, sondern oft gleichzeitig arbeiteten. Ein heikles Thema dabei ist auch die Zusammenarbeit mit den Zulieferern, die ja oft auch für Mercedes entwickelten und produzierten. Ferner half bei der Geheimhaltung, dass der V12 erst in der neuen 7er-Reihe ab 1987 verbaut werden sollte. In den Anfangsstadien der Entwicklung testete man den V12 gut getarnt in der alten 7er-Reihe, die sonst nur 6-Zylinder kannte.

Nicht vergessen darf man bei diesem Wirtschaftskrimi, dass BMW meisterliche 6-Zylinder baute, die ein gutes Argument gegen größere Motoren darstellten. Damit startete dann auch die E32-Serie, die ab 1987 die 7er der Baureihe E23 ablöste. Zunächst gab es 3 und 3,5 l 6-Zylinder. Die Vorstellung war bereits im Herbst 1986. Der Paukenschlag kam im Sommer 1987, als BMW den 750i mit 5l-V12 und 300 PS auf den Markt brachte. Der erste deutsche Nachkriegs-V12 kam aus München, nicht aus Stuttgart! Mercedes war herausgefordert, konnte aber erst  1991 mit dem 600 SEL nachlegen (Baureihe W140). In diesen vier Jahren verkaufte BMW mehr Luxuslimousinen als Mercedes und konnte sich dauerhaft als Konkurrent in der Spitzenklasse etablieren. Mercedes schoss  – offenbar aufgeschreckt – über das Ziel hinaus. Der W140er erntete anfänglich wegen seiner formlosen Übergroße viel Spott und Hohn. Als Mercedes diese neue S-Klasse auflegte, brachte BMW zudem neue V8-Motoren, die bis heute als mustergültig bei Leistung, Komfort, Verbrauch und Standfestigkeit gelten.

Informationen gewinnen und nutzen

Auch dieses Beispiel der Wirtschaftsgeschichte zeigt, wie wichtig es ist, über den Konkurrenten informiert zu sein und diese Informationen erfolgreich verwerten zu können. Im besagten Beispiel war die entscheidende Informationsquelle der Zulieferer für die Motorblöcke. Das “Treiben” von BMW war eigentlich gut zu erkennen, aber die Informationen wurden seitens Mercedes weder wahrgenommen noch genutzt.

Es wird manchmal vergessen, dass in vielen Branchen zur erfolgreichen Entwicklung und Vermarktung von Produkten auch kluge Köpfe nötig sind. Nicht immer geht es dabei um Designer oder den “Tausch” von Motorenentwicklern wie etwa in der Formel 1. Es gibt auch in den zweiten und dritten “Ligen” Fachleute, die ein Unternehmen langfristig voranbringen können. Daher sollte man in seiner Branche immer ein gutes Auge auf das Personalkarussell haben.